Acht Kinder einer dritten Klasse, drei Mülltonnen, ein Baukasten aus Wortkarten: In dieser Einheit lernen die Kinder, einer kindgerechten KI so präzise Aufträge zu geben, dass sie damit ein Sachthema recherchieren können. Am Ende hat jedes Team ein digitales Buch zu „seiner“ Tonne gebaut.
Ausgangsidee
Ziel war es, Kindern den kompetenten Umgang mit einer kindgerechten KI-Anwendung so zu vermitteln, dass sie sie anschließend eigenständig für die Recherche zu einem Sachthema einsetzen können. Im Zentrum stand der Prompting-Baukasten aus Wortkarten. Als Rahmen diente das Thema Müll und Mülltrennung: fest im Alltag verankert, mit klaren Kategorien und vielen anfassbaren Beispielen. Erprobt wurde die Einheit in einer Kleingruppe von acht Schüler:innen der dritten Klasse im Teamteaching mit drei Begleitpersonen.
Durchführung zum Nachmachen
Die Einheit gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Phasen mit einer Gesamtdauer von rund drei Zeitstunden. Eine Person übernahm jeweils Begrüßung und Instruktion, die anderen beiden begleiteten individuell.
Phase 1: Einstieg und Vorwissen aktivieren (ca. 25 Minuten)
Material: SmartBoard, ausgedruckte Fotokarten von Alltagsgegenständen, Stift und Papier.
- Gesprächseinstieg ins Thema Müll.
- Die Kinder betrachten Fotokarten mit Alltagsgegenständen (Kaffeebecher, Pizzakarton, Milchtüte) und ordnen sie den drei Tonnen zu.
- Gemeinsames Benennen der Gegenstände. Die Kinder sind „Forscherdetektive“ und begründen, ob eine Zuordnung richtig oder falsch ist.
- Aufbau eines gemeinsamen Wortspeichers zum Oberbegriff Müll: Tonnenfarben, Gegenstände und Verben wie trennen, sortieren, recyceln.
- Vorstellung des Tagesziels.
Stolperstein: Unsicherheit bei der Mülltrennung selbst und sprachliche Hürden beim Benennen. Lösung: Vorentlastung durch Bildkarten, gemeinsame Begriffsklärung und durchgängige Visualisierung über den Wortspeicher an der Tafel.
Phase 2: Einstieg ins Prompting (ca. 30 Minuten)
Material: iPads.
- Die Kinder lernen den Prompting-Baukasten kennen und üben an einfachen Beispielen das Formulieren von Prompts.
- Regeln für den Umgang mit der KI: höflich formulieren, genau beschreiben, Ergebnisse überprüfen.
- Erste eigenständige Annäherung an das KI-Werkzeug (hier fobizz, Zugang per QR-Code über einen von der Lehrkraft eingerichteten Klassenraum).
Stolperstein: Schwierigkeiten beim korrekten Anwenden der Bausteine und beim Einschätzen der KI-Antworten. Lösung: Enge Hilfestellung direkt am iPad.
Der Prompting-Baukasten zum direkten Nachbauen
Damit niemand vor einem leeren Eingabefeld sitzt, setzen die Kinder ihren Prompt Baustein für Baustein aus farblich sortierten Wortkarten zusammen:
- Was? Erkläre …, Erstelle …, Vergleiche …, Nenne …
- Als was? ein Text, ein Bild, eine Tabelle, eine Anleitung
- Für wen? eine sechsjährige Person, ein Grundschulkind, ein Kind in der 2. Klasse in Wanderup
- Thema als freies Feld
- Wie? in Stichpunkten, in einem Satz, in einfacher Sprache, mit Symbolen, im Comic-Stil
- Reparaturwerkzeug für Rückfragen: „Erkläre es mir einfacher.“ „Erkläre es mir Schritt für Schritt.“ „Gib mir ein Beispiel dafür.“ „Erzähle mir noch mehr dazu.“ „Ändere das Format.“
Eine rote Karte erinnert durchgängig daran, die Quelle anzugeben, eine grüne Karte fordert am Ende zum Faktencheck auf: „Ist das Ergebnis wirklich richtig?“ Ein Team formulierte daraus zum Beispiel: „Erkläre mir, warum Abfall in verschiedene Tonnen muss. Ich bin ein Grundschulkind in Wanderup. Erkläre es mir in drei Sätzen und in einfacher Sprache.“ Bei Bedarf griffen die Kinder danach zum Reparaturwerkzeug, um die Antwort schrittweise an ihr Verständnis anzupassen.
Phase 3: Forschungsphase (ca. 100 Minuten)
Material: iPads mit Book Creator, QR-Codes zu kindgerechten Suchmaschinen.
- Forschungsfrage: „Warum muss Abfall in verschiedene Eimer?“
- Jedes Team bekommt eine Tonne: grün, gelb oder schwarz.
- Die Kinder formulieren eigene Prompts, sammeln Informationen zu ihrer Tonne und überprüfen die Antworten zusätzlich über Kindersuchmaschinen.
- Parallel entsteht das Book-Creator-Buch: Deckblatt mit Forscherfrage, Fließtext zur Tonne, Collage, kurzer Kinderpodcast als Audioaufnahme, Quellenangaben.
Stolperstein: Fehlende Kenntnis geeigneter Kinder-Websites. Lösung: Vorbereitete QR-Codes zu Kindersuchmaschinen.
Phase 4: Reflexion und Präsentation (ca. 35 Minuten)
Material: Book Creator, SmartBoard, ClassroomScreen, Papier.
- Die Teams präsentieren ihre Bücher im Plenum.
- Gemeinsame Reflexion mit der 5-Finger-Methode.
- Ergebnissicherung durch ein Quiz nach der 1-2-oder-3-Methode.
Stolperstein: Frustration bei technischen Schwierigkeiten. Lösung: Emotional auffangen, Wünsche und Schwierigkeiten offen benennen lassen, positive Fehlerkultur.
Produkte
Pro Team entstand ein digitales Buch zu einer Mülltonne mit Deckblatt, erklärendem Text, Collage und Kinderpodcast samt Quellenangaben. Im Plenum entstand außerdem das Wortspeicher-Plakat „Abfall & Recycling“: Tonnenfarben, typische Gegenstände, die Forscher-Aktionen (trennen und sortieren, recyceln und wiederverwenden, untersuchen und beobachten, begründen und erklären, vermeiden und schützen, prompten und suchen) sowie feste Satzbausteine für die Gesprächsanlässe. Baukasten und Wortspeicher können unverändert übernommen werden. Nur die Tonnenfarben solltest du vorab prüfen, sie unterscheiden sich je nach Kommune. Bei der Gestaltung wurden Kriterien sprachsensibler Materialien berücksichtigt: konkrete statt abstrakte Begriffe, gleichbleibende Bezeichnungen, keine Metaphern und Redewendungen.
Warum ist das wichtig für Sprache?
Wortschatz: Über Bildkarten und Wortspeicher bauten die Kinder Fachvokabular auf und nutzten es aktiv in Prompts und Buchtexten: die Tonnenbezeichnungen, Gegenstände wie Joghurtbecher oder Eierschalen, Verben wie trennen, sortieren, recyceln, wiederverwenden, vermeiden.
Satzbau: Vorbereitete Satzbausteine („Ich vermute, dass das in die grüne Tonne gehört, weil …“, „Aus altem Papier entsteht …“) gaben feste Muster, mit denen auch Kausal- und Finalsätze sicher gelangen. Beim Prompten mussten die Kinder vollständige Sätze bilden, denn ungenaue Formulierungen führten sofort zu ungenauen Antworten.
Kommunikation: Prompten ist ein kommunikativer Akt. Die Kinder formulierten so, dass ein Gegenüber sie versteht, prüften die Antwort und fragten nach. Formulierungshilfen wie „Mein Prompt an die KI lautet …“, „Die KI hat geantwortet, dass …“ und „Ich habe die Info mit einer Kindersuchmaschine überprüft“ schufen den Rahmen, um über den eigenen Sprachgebrauch zu sprechen. Die Reflexion mit „Zuerst dachte ich …, aber jetzt weiß ich …“ half, den eigenen Lernfortschritt in Worte zu fassen.
Erkenntnisse und Tipps
Das hat besonders gut funktioniert:
- Die Verbindung eines anschaulichen Alltagsthemas mit dem abstrakteren Prompten machte den Einstieg greifbar.
- Feste Satzbausteine gaben Sicherheit beim Formulieren, im Fachgespräch wie beim Prompten.
- Kleine Gruppe und Teamteaching ermöglichten enge Hilfestellung, gerade in der technisch anspruchsvollen Forschungsphase.
- Kleine Teams mit je einer eigenen Tonne sorgten für Verbindlichkeit, ohne die Kinder mit der Themenbreite zu überfordern.
Tipps für andere Lehrkräfte:
- Zeitpuffer für Technik einplanen. KI-Werkzeuge sind nicht immer erreichbar oder leistungsfähig, etwa bei der Bildgenerierung. Eine Ausweichlösung vorher überlegen: anderes Werkzeug oder analoger Ersatz.
- Vorentlastung durch Bildmaterial und Wortspeicher, damit sprachliche und technische Hürden nicht zusammenfallen.
- Klare, altersgerechte Regeln für den Umgang mit der KI vorab besprechen und kurz üben.
- Eine feste Reflexionsstruktur einplanen, zum Beispiel die 5-Finger-Methode oder feste Reflexionssätze.
- Positive Fehlerkultur aktiv ansprechen. Beim Mülltrennen wie beim Prompten gehören falsche erste Versuche dazu.
Material zum Nachmachen
Bildkarten mit Alltagsgegenständen für den Einstieg und die drei Tonnen:
Prompting-Baukasten als Wortkarten (PDF)
Prompting-Fächer für jedes Kind (PDF)
Wortspeicher-Plakat Abfall & Recycling (PDF)
Erstellt von Leonardo Mendes de Oliveira, Jasmin Poll und Alina Thomann, Studierende der Europa-Universität Flensburg (Frühjahrssemester 2026, Seminar „Diklusive Perspektiven auf Sprache, Kommunikation und Unterricht“). Redaktionelle Überarbeitung: Lea Schulz. Material unter CC0, ausgenommen Screenshots und Fotos.