Eine ganze zweite Klasse, ein Projekttag, vier Abfallarten: In dieser Einheit geben die Kinder einer KI mit dem Prompt-Baukasten verständliche Aufträge und bauen daraus ein E-Book zu Upcycling-Ideen. Der Fokus liegt nicht auf dem Recherchieren, sondern auf dem präzisen Formulieren und dem kritischen Umgang mit den Ergebnissen.
Ausgangsidee
Wer einer KI einen guten Prompt geben will, braucht Wortschatz, Satzbau und ein Gespür für nachvollziehbare Anweisungen. Genau darin lag die Chance, Prompten als Sprachanlass zu nutzen. Zielgruppe war eine 2. Klasse an einer Grundschule in Schleswig-Holstein, Thema war der Sachunterrichtsinhalt „Abfall“ mit Fokus auf Upcycling. In Kleingruppen gaben die Kinder der KI mit einem Prompt-Baukasten Aufträge, um ein E-Book im Book Creator zu ihrer Abfallart (Metall, Glas, Pappe oder Plastik) zu erstellen. Quellen hatten die Gruppen vorab gesammelt. Genutzt wurde die KI-Umgebung fobizz, die per QR-Code aufgerufen wird; die Lehrkraft richtet dafür vorab einen digitalen Klassenraum ein.
Durchführung zum Nachmachen
Der Projekttag war in vier Phasen gegliedert und wurde im Teamteaming mit vier Studierenden durchgeführt, ist aber auch in anderer Besetzung umsetzbar. Aus Zeitgründen fand alles an einem Tag statt. Empfehlenswert ist eine Verteilung auf mehrere Einheiten. Der detaillierte Verlaufsplan mit Zielen, Sozialformen und Material liegt im Materialpaket, ebenso die Visualisierung des Tagesablaufs, der Wortspeicher, Baukasten und Fächer, Book-Creator-Vorlagen, Kriterienbogen und Reflexionskarten.
Phase 1: Einstieg, Orientierung und Vorwissen (ca. 20 bis 30 Minuten)
- Vorstellungsrunde mit Würfelsatz: „Ich bin … und ich denke, man kann aus Müll … machen.“
- Eine „Schatzkiste“ mit Müll und der Impuls „Ist das nur Müll oder vielleicht auch ein Schatz?“, dazu ein fertiges Upcycling-Produkt (eine Girlande aus Klopapierrollen).
- Impulsfragen: Was ist Upcycling? Warum ist es sinnvoll? Wie hilft es der Umwelt?
- Der mitgebrachte Müll wird nach Metall, Glas, Pappe und Plastik sortiert und den Gruppen zugeordnet.
- Einführung eines Wortspeichers, der den ganzen Tag sichtbar bleibt. Besser als mitgebracht: gemeinsam erarbeiten, um Vorwissen einzubringen.
Phase 2: Einführung des Promptens (ca. 30 Minuten)
- Wiederholung der iPad-Regeln.
- Ein bewusst vereinfachter Prompt zur Bildgenerierung („Erstelle mir ein Bild von Müll“) wird analysiert. Das erzeugte Bild entspricht nicht der Realität, eine Banane liegt im Eimer. So wird anschaulich, dass eine KI Fehler macht und Ergebnisse überprüft werden müssen.
- Daran wird der Prompt-Baukasten mit fünf Bausteinen eingeführt: Was? (Operator), Als was? (Text, Bild, Tabelle, Anleitung), Thema, Wie? (in drei Sätzen, im Comic-Stil), Für wen? (ein Grundschulkind).
- Der fehlerhafte Prompt wird gemeinsam korrigiert: „Erstelle mir ein Bild von Abfall in einem Abfalleimer als echtes Foto. Korrigiere die Banane, sie ist kein Müll.“
- Erste eigene Prompt-Versuche einzelner Kinder mit dem Baukasten.
Phase 3: Forschen und Produkt erstellen (2 × 45 Minuten)
- Die Gruppen bearbeiten ihre Forscherfrage (zum Beispiel „Was kann man aus Plastik machen?“) und erstellen mit ihren Quellen und dem Baukasten ein E-Book.
- Vorgefertigte Seiten strukturieren die Arbeit: Deckblatt, Notizbuchseite für Quellen und Ideen, Planungsseite („Das wollen wir bauen / Das brauchen wir / So gehen wir vor“), Ergebnisseite mit Platzhaltern für Bild und Text.
- Format und Eingabe (Tippen oder Einsprechen) sind frei. Ein Kriterienbogen begleitet die Selbstkontrolle: Stimmen die Infos? Wurde die KI hinterfragt? Passen die Bilder?
- Feste Rollen (Tablet-Bediener:in, Beisitzer:in) mit Wechsel alle 15 Minuten per akustischem Signal, damit jedes Kind selbst mit der KI arbeitet.
Phase 4: Präsentation und Reflexion (ca. 30 bis 40 Minuten)
- Gallery Walk zur Präsentation und Wertschätzung aller Ergebnisse, mit Peer-Feedback nach dem Prinzip der „warmen Dusche“.
- Reflexion des Promptens mit W-Fragen („Was konnte dir helfen?“, „Was hat gut geklappt und warum?“).
- Jedes Kind bekommt zum Abschluss einen kleinen Fächer mit dem Prompt-Baukasten, übertragbar auf andere Themen.
Stolpersteine und Lösungen
- Zeit: Ein Tag war knapp. Lieber auf mehrere Einheiten verteilen.
- Erschöpfung vor allem in Phase 3: feste Pausen und der Rollenwechsel entlasten.
- Unbekanntes Vokabular: Der Wortspeicher entlastet und macht Prompts präziser, weil Umschreibungen wegfallen.
- Unreflektierte Übernahme von KI-Antworten: Der Kriterienbogen regt zum Hinterfragen an.
- Technik-Überforderung: Klare, visualisierte iPad-Regeln und feste Rollen schaffen Struktur.
Produkte
Entstanden sind gruppenweise E-Books zu den vier Abfallarten, jeweils mit Notizseite (Quellen und Ideen), Planungsseite und Ergebnisseiten mit KI-generierten Inhalten. Jedes Kind nahm den Prompt-Baukasten als Fächer mit nach Hause.
Warum ist das wichtig für Sprache?
Um der KI einen verständlichen Auftrag zu geben, mussten die Kinder auf allen sprachlichen Ebenen aktiv werden. Die Beobachtungen beruhen auf Notizen, Fotos und Arbeitsergebnissen vom Projekttag.
Wortschatz: Alltags- und Fachbegriffe aus dem Wortspeicher wurden gezielt im Prompt verwendet. Die Kinder kamen mehrfach an die digitale Tafel, suchten Wörter, schrieben sie auf und bauten sie am iPad in den Prompt ein. Bei unbekannten Wörtern fragten sie die KI oder die Studierenden, statt sie unreflektiert zu übernehmen.
Satzbau: Die Bausteine Was, Als was, Thema, Wie, Für wen zwangen dazu, aus Einzelwörtern vollständige Sätze zu bauen und Wörter umzuformen („Erstelle mir einen Text zum Thema Upcycling in einfacher Sprache für ein Grundschulkind“). Die Kinder sprachen einzelne Bausteine korrekt ein, statt nur Stichworte zu nennen, zum Beispiel mit gebeugten Verben.
Kommunikation: Die Kinder formulierten so präzise, dass die KI sie verstand, bewerteten die Antwort und schärften nach („Erkläre es mir einfacher“, „Erzähle mir noch mehr dazu“). Sie traten in einen echten Dialog: fragten nach, korrigierten aktiv („Nein, so sieht das Projekt gar nicht aus, mache das Bild genau so wie auf der Bastelanleitung“). Diese Selbstkorrektur zeigt, dass sie ihre eigene Formulierung reflektierten, eine unmittelbare, motivierende Rückmeldeschleife.
Erkenntnisse und Tipps
Das hat besonders gut funktioniert:
- Der Kriterienbogen half durchgehend bei der Selbstkontrolle und beim Hinterfragen der KI-Ergebnisse.
- Der Rollenwechsel sorgte dafür, dass wirklich jedes Kind selbst promptete, auch zurückhaltende Kinder.
- Das gemeinsame Analysieren eines bewusst fehlerhaften Prompts schuf ein anschauliches Modell, bevor die Kinder selbst aktiv wurden.
Tipps für Lehrkräfte:
- Zeit einplanen: lieber zwei bis drei Termine statt eines Tages.
- Hilfen sichtbar machen: Baukasten, Tagesablauf und Wortspeicher durchgängig zeigen.
- Pausen nach Bedarf: Wie viel Zeit die Einheit braucht, hängt von Vorwissen, Konzentration und Sprachbedarf der Lerngruppe ab.
Material zum Nachmachen
Materialpaket Upcycling-Projekttag (PDF, 23 Seiten)
Enthalten: Verlaufsplan mit Zielen und Sozialformen, Visualisierung des Tagesablaufs, Wortspeicher, Prompt-Baukasten und Fächer, Book-Creator-Vorlagen, Checkliste und Reflexionskarten.
Transparenzhinweis der Studierenden: Bei der sprachlichen Ausformulierung des Erfahrungsberichts wurde KI-Unterstützung auf Basis der eigenen Unterrichtsdokumentation genutzt.
Erstellt von Aleesha Hansen, Inga Cardell, Leah Schrader und Melanie Hauck, Studierende der Europa-Universität Flensburg (Frühjahrssemester 2026, Seminar „Diklusive Perspektiven auf Sprache, Kommunikation und Unterricht“). Redaktionelle Überarbeitung: Lea Schulz. Material unter CC0, ausgenommen Screenshots und Fotos.