Mit Chatbots Märchen erzählen – Eine Unterrichtseinheit zur Förderung narrativer Kompetenzen in der Grundschule
Autor:innen: Studierende der Europa-Universität Flensburg
Didaktische Fokus der Unterrichtseinheit
Die Unterrichtseinheit „Märchen erzählen mit Chatbots“ verbindet literarisches Lernen mit digital gestützter Schreibförderung und zielt auf die Entwicklung narrativer, sprachlicher und medienbezogener Kompetenzen. Ausgangspunkt ist die didaktische Annahme, dass kreatives Schreiben nicht als rein spontaner Ausdrucksprozess verstanden werden kann, sondern einer bewussten Strukturierung und Anleitung bedarf. Schreibprozessorientierte Ansätze betonen die Bedeutung von Planung, Strukturierung und Überarbeitung als zentrale Bestandteile der Textproduktion (Becker-Mrotzek & Böttcher, 2015). Die im Planungsraster angelegte Phasenstruktur folgt diesem Verständnis, indem sie Ideenentwicklung, Strukturplanung, Ausformulierung und Reflexion systematisch miteinander verknüpft.
Im Zentrum der Unterrichtseinheit steht die Förderung narrativer Kompetenz. Narrative Kompetenz umfasst die Fähigkeit, Ereignisse kohärent zu ordnen, Figuren auszugestalten, Konflikte aufzubauen und zu lösen sowie eine nachvollziehbare Handlungslogik zu entwickeln. Märchen bieten hierfür einen besonders geeigneten Rahmen, da sie über klar erkennbare Strukturmerkmale, typische Figurenkonstellationen und wiederkehrende sprachliche Formeln verfügen. Die bewusste Auseinandersetzung mit literarischen Strukturen ist ein zentraler Bestandteil literarischen Lernens (Spinner, 2020). Durch die explizite Arbeit an Märchenmerkmalen wird implizites Genre-Wissen bewusst gemacht und für den eigenen Schreibprozess nutzbar.
Zugleich trägt die strukturierte Auseinandersetzung mit Textaufbau und Kohärenz zur sprachlichen Bildung bei. Textverstehen und Textproduktion sind eng miteinander verknüpft, da kohärente Textgestaltung sowohl rezeptive als auch produktive Kompetenzen voraussetzt (Brinker et al., 2024). Sprachverständnis stellt dabei einen zentralen Prädiktor schulischen Erfolgs dar (Schönauer-Schneider & Reber, 2014). Insbesondere auf Wort-, Satz- und Textebene profitieren Lernende von expliziten Strukturierungsangeboten, die die Verarbeitung komplexer sprachlicher Informationen unterstützen (ebd.).
Die erste Phase der Unterrichtseinheit dient der Aktivierung und Sicherung von Vorwissen. Die explizite Erarbeitung von Märchenmerkmalen schafft eine gemeinsame fachliche Grundlage und reduziert mögliche Überforderung im anschließenden Schreibprozess. Methodisch strukturierter Unterricht mit klarer Phasierung gilt als wesentliches Merkmal lernwirksamer Gestaltung (Reeken, 2003). Durch die gemeinsame Begriffsbildung wird ein Orientierungsrahmen geschaffen, der insbesondere in heterogenen Lerngruppen stabilisierend wirkt.
In der zweiten Phase erfolgt die Ideenentwicklung mithilfe eines Chatbots. Dieser übernimmt eine impulsgebende Funktion, indem er Fragen stellt, Denkprozesse strukturiert und narrative Elemente anregt. Didaktisch lässt sich dieses Vorgehen als unterstützende Lernbegleitung verstehen. Adaptive Unterstützungsangebote, die Lernende in ihrer individuellen Entwicklung begleiten, sind ein zentrales Prinzip inklusiver Didaktik (Dexel, 2022). Entscheidend ist, dass die Schüler:innen ihre Ideen eigenständig entwickeln und diese handschriftlich im Märchensteckbrief sichern. Die schriftliche Externalisierung unterstützt die kognitive Strukturierung und stärkt die Autorschaft der Lernenden (Becker-Mrotzek & Böttcher, 2015).
Der Einsatz digitaler Werkzeuge erfolgt dabei funktional differenziert und nicht ersetzend. Digitale Systeme können individualisierte Impulse, differenzierte Rückmeldungen und adaptive Unterstützung bereitstellen, sofern sie reflektiert und pädagogisch eingebettet eingesetzt werden (Höflich, 2024). Künstliche Intelligenz kann insbesondere im Bereich der Diagnostik, Individualisierung und Rückmeldung unterstützend wirken, ersetzt jedoch nicht die professionelle Steuerung durch die Lehrkraft (ebd.). In dieser Unterrichtseinheit fungiert der Chatbot daher als Strukturierungshilfe und Ideengeber, nicht als Texterzeuger.
Die dritte Phase ist der eigenständigen Ausformulierung gewidmet. Die bewusste Entscheidung für eine handschriftliche Verschriftlichung stärkt die Eigenverantwortung und verhindert eine unreflektierte Übernahme digital generierter Textanteile. Sprachliche Hilfsmittel wie Satzanfänge oder Impulskarten stellen zusätzliche Strukturierungsangebote dar, die insbesondere bei sprachlichen Unsicherheiten unterstützend wirken (Schönauer-Schneider & Reber, 2014). Diese Form der Differenzierung entspricht inklusionsdidaktischen Prinzipien, die Unterricht nicht am Durchschnitt, sondern an individuellen Lernvoraussetzungen ausrichten (Dexel, 2022).
Die abschließende Präsentations- und Reflexionsphase erfüllt eine doppelte Funktion. Zum einen erfahren die Schüler:innen Anerkennung für ihr Produkt, zum anderen wird der Schreibprozess selbst zum Gegenstand der Betrachtung. Die bewusste Reflexion über Lernprozesse fördert metakognitive Kompetenzen und unterstützt nachhaltiges Lernen (Becker-Mrotzek & Böttcher, 2015). Gleichzeitig wird der Umgang mit digitalen Werkzeugen kritisch reflektiert. Medienkompetenz umfasst nicht nur die Nutzung digitaler Systeme, sondern auch deren bewusste Einordnung und Bewertung (Höflich, 2024).
Die im Planungsraster benannten potenziellen Stolpersteine, insbesondere der Verlust des roten Fadens, werden durch die explizite Strukturplanung, Visualisierungen und den Märchensteckbrief präventiv aufgegriffen. Strukturierende Verfahren unterstützen die Kohärenzbildung und reduzieren kognitive Belastung (Brinker et al., 2024). Durch die klare Phasenstruktur wird Orientierung geschaffen und der Schreibprozess transparent gestaltet (Reeken, 2003).
Insgesamt verbindet die Unterrichtseinheit Kreativität und Struktur, Eigenleistung und Unterstützung sowie analoge und digitale Arbeitsformen in ausgewogener Weise. Der funktional eingesetzte Chatbot ermöglicht adaptive Lernbegleitung im Sinne inklusiver Pädagogik, ohne die Autorschaft der Schüler:innen zu unterminieren (Dexel, 2022). Gleichzeitig wird ein reflektierter Umgang mit KI-gestützten Werkzeugen eingeübt, der im Kontext gegenwärtiger Bildungsprozesse zunehmend an Bedeutung gewinnt (Höflich, 2024).
Die Unterrichtseinheit stellt somit ein didaktisch fundiertes Modell dar, das narrative Kompetenzentwicklung, Sprachförderung, Inklusion und medienpädagogische Sensibilisierung miteinander verbindet und sowohl fachliche als auch überfachliche Lernziele integriert.
Literaturverzeichnis
Becker-Mrotzek, M., & Böttcher, I. (2015). Schreibkompetenz entwickeln und beurteilen. 6. Auflage. Cornelsen.
Brinker, K., Pappert, S., & Cölfen, H. (2024). Linguistische Textanalyse: Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden (10., neu bearbeitete Auflage). Erich Schmidt Verlag.
Dexel, T. (Hrsg.). (2022). Inklusive (Fach-)Didaktik in der Primarstufe: Ein Lehrbuch. Waxmann. https://doi.org/10.36198/9783838556864
Höflich, S. (2024). „KInklusion“: Chancen der künstlichen Intelligenz für inklusive Pädagogik. #schuleverantworten, 4(1). https://doi.org/10.53349/schuleverantworten.2024.i1.a415
Reeken, D. von. (2003). Methoden im Sachunterricht. In D. von Reeken (Hrsg.), Handbuch Methoden im Sachunterricht (S. 3–12). Schneider Verlag Hohengehren GmbH.
Schönauer-Schneider, W., & Reber, K. (2014). Schüler im Blick: Bausteine zur sprachheilpädagogischen Diagnostik IM Unterricht. In Sprache professionell fördern (S. 327–334). Schulz-Kirchner Verlag : Idstein. https://doi.org/10.25656/01:11902
Spinner, K. H. (2020). Literarisches Lernen. In T. Kurwinkel & P. Schmerheim (Hrsg.), Handbuch Kinder- und Jugendliteratur (S. 405–409). J.B. Metzler, Part of Springer Nature – Springer-Verlag GmbH ; J.B. Metzler.
Ablauf und Durchführung
Die Durchführung der Unterrichtseinheit „Märchen erzählen mit Chatbots“ folgt einer klar strukturierten Vier-Phasen-Logik, die im Planungsraster systematisch angelegt ist. Ziel dieser Struktur ist es, kreative Schreibprozesse durch eine didaktisch gerahmte Progression von Orientierung, Ideenentwicklung, Ausformulierung und Reflexion zu begleiten. Die Gesamtzeit umfasst je nach Lerngruppe etwa drei bis vier Unterrichtsstunden.
Phase 1: Orientierung und kognitive Aktivierung
Die erste Phase dient der Einführung in das Thema Märchen sowie in die digitalen Werkzeuge. Durch das Lesespiel „Ich habe…/Wer hat…“ wird ein spielerischer Zugang zu Märchenmerkmalen geschaffen. Diese Aktivierung erfüllt eine doppelte Funktion: Zum einen wird vorhandenes Genre-Wissen reaktiviert, zum anderen entsteht eine gemeinsame inhaltliche Ausgangsbasis für die anschließende Kreativarbeit.
Ergänzend setzen sich die Schüler:innen mithilfe sprechender QR-Codes mit zentralen Merkmalen von Märchen und Geschichten auseinander. Diese multimodale Annäherung unterstützt unterschiedliche Lernzugänge und fördert die Verknüpfung von auditiven und visuellen Informationen.
Didaktisch ist diese Phase als Vorentlastung zu verstehen. Sie reduziert mögliche Überforderung in späteren offenen Schreibphasen, da strukturelle Merkmale explizit gemacht werden. Die Lehrpersonen übernehmen hier eine moderierende Rolle, führen gemeinsam in das Lesespiel ein und klären organisatorische Fragen zu den digitalen Tools.
Phase 2: Ideenentwicklung und Strukturplanung
In der zweiten Phase entwickeln die Schüler:innen mithilfe des Chatbots „Fantasiewelt und Zauberei“ erste Ideen zu Handlung, Figuren und Schauplatz. Der Chatbot fungiert als Impulsgeber, indem er Fragen stellt, Denkprozesse anregt und mögliche narrative Richtungen aufzeigt. Die Ideen werden handschriftlich im Märchensteckbrief festgehalten, wodurch eine bewusste Sicherung der Eigenleistung erfolgt.
Anschließend wird mit dem Chatbot „Aufbau Fantasiewelt“ die narrative Struktur konkretisiert. Die Planung von Anfang, Mitte und Ende sowie die Ausarbeitung eines zentralen Konflikts fördern die bewusste Auseinandersetzung mit Textaufbau und Kohärenz. Diese Phase wirkt strukturierend und dient als präventive Maßnahme gegen das im Planungsraster benannte Risiko des „roten Fadens“.
Zeitlich umfasst diese Phase den größten Anteil der Einheit (ca. 60–90 Minuten), da hier die konzeptionelle Grundlage für das spätere Schreiben gelegt wird. Die Lehrpersonen unterstützen bei inhaltlichen oder technischen Fragen, greifen jedoch nicht in die kreative Entscheidungsfindung ein.
Phase 3: Ausformulierung und produktorientiertes Arbeiten
Auf Basis der entwickelten Struktur formulieren die Schüler:innen ihr Märchen eigenständig aus. Die Verschriftlichung erfolgt handschriftlich, um die individuelle Textproduktion in den Mittelpunkt zu stellen. Unterstützend können zwei Satzanfänge aus dem Glücksrad genutzt werden, wodurch sprachliche Variation angeregt wird.
Der Chatbot darf in dieser Phase punktuell zur sprachlichen Klärung oder bei Schreibblockaden eingesetzt werden. Seine Rolle bleibt jedoch unterstützend; er ersetzt nicht die eigenständige Textproduktion. Diese klare Regel ist entscheidend, um die Autorschaft der Schüler:innen zu sichern und die didaktische Zielsetzung nicht zu unterlaufen.
Zeitlich sind für diese Phase etwa 45–60 Minuten vorgesehen. Wichtig ist hier eine transparente Zeitstruktur, etwa durch visuelle Timer oder eine sichtbare Phasenübersicht im Klassenraum.
Phase 4: Präsentation und Reflexion
In der abschließenden Phase präsentieren die Schüler:innen ihre Märchen in kurzer Form. Diese Präsentation würdigt die entstandenen Produkte und stärkt die Motivation sowie das Selbstwirksamkeitserleben.
Anschließend bearbeiten die Schüler:innen den Reflexionsbogen „Wie hat mir der Chatbot geholfen?“ und nehmen an einer gemeinsamen Gesprächsrunde teil. Ziel ist es, den Schreibprozess sowie die Rolle des digitalen Werkzeugs bewusst zu reflektieren. Leitfragen können sein: Welche Ideen stammen von dir selbst? Wobei hat der Chatbot unterstützt? Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?
Diese Phase ist didaktisch zentral, da sie die Entwicklung von Medien- und Reflexionskompetenz unterstützt. Der Chatbot wird nicht als Ersatz menschlicher Kreativität verstanden, sondern als Werkzeug, dessen Einsatz kritisch bewertet werden kann.
Anpassung an heterogene Lerngruppen
Die Unterrichtseinheit ist differenzsensibel angelegt. Strukturierende Materialien wie der Märchensteckbrief, Satzanfänge und visualisierte Handlungsmodelle bieten Unterstützung für sprachlich unsichere Schüler:innen. Tandemarbeit ermöglicht kooperative Lernprozesse und gegenseitige Hilfestellung.
Der Chatbot kann adaptiv eingesetzt werden: Während leistungsstärkere Schüler:innen offenere Impulse nutzen, können für andere stärker strukturierende oder vereinfachte Fragen vorgegeben werden. Diese Form digitalen Scaffolding erlaubt eine flexible Anpassung an unterschiedliche Lernvoraussetzungen.
Mögliche Stolpersteine und präventive Maßnahmen
Ein zentrales Risiko besteht im Verlust der Handlungslogik während der Schreibphase . Dieses wird durch die explizite Strukturplanung in Phase 2 sowie durch gezielte Rückfragen des Chatbots abgefangen. Zusätzlich kann eine Visualisierung der Erzählstruktur im Klassenraum unterstützend wirken.
Ein weiterer potenzieller Stolperstein liegt in einer übermäßigen Abhängigkeit vom digitalen Tool. Hier wirkt die klare Regel, dass der Chatbot unterstützt, aber nicht schreibt, als präventive Maßnahme. Die handschriftliche Verschriftlichung stärkt die Eigenverantwortung.
Technische Schwierigkeiten (z. B. instabile Internetverbindung) können durch vorbereitete analoge Alternativen abgefedert werden, etwa durchstrukturierende Fragekarten.
Zusammenfassung der Durchführung
Die Unterrichtseinheit folgt einer klaren Progression von Aktivierung über Planung und Produktion hin zur Reflexion. Sie verbindet analoge und digitale Elemente in einem ausgewogenen Verhältnis und ermöglicht eine adaptive Unterstützung ohne Verlust der Autorschaft der Schüler:innen.
Durch die Kombination aus strukturgebender Planung, eigenständiger Textproduktion und reflexiver Auseinandersetzung mit KI-gestützten Werkzeugen entsteht ein kohärentes didaktisches Gesamtkonzept, das narrative Kompetenzentwicklung und Medienbildung miteinander verknüpft.
Unsere Chatbots
Im Rahmen der Unterrichtseinheit wurden drei funktional differenzierte Chatbots konzipiert, die jeweils eine klar definierte Rolle im Schreibprozess übernehmen: „Fantasiewelt und Zauberei“, „Aufbau Fantasiewelt“ sowie „Reflexion Fantasiewelt“. Ziel dieser Differenzierung ist es, kreative Ideenentwicklung, strukturierte Textplanung und reflexive Überarbeitung voneinander zu trennen und damit einzelne Teilkompetenzen des narrativen Schreibens gezielt zu fördern.
Die Chatbots sind nicht als Texterzeuger konzipiert, sondern als dialogische Lernbegleiter, die durch Fragen, Impulse und strukturierende Hinweise Denkprozesse anregen. Ihre Gestaltung folgt dabei dem Prinzip des digitalen Scaffolding: Sie geben Unterstützung, ohne eigenständige Leistungen zu ersetzen.
1. Chatbot „Fantasiewelt und Zauberei“

Der Chatbot „Fantasiewelt und Zauberei“ ist auf die Phase der Ideenentwicklung ausgerichtet. Seine zentrale Zielsetzung besteht darin, Schüler:innen der dritten Klasse beim Aufbau einer Fantasiewelt sowie bei der Entwicklung erster Figuren- und Handlungsideen zu unterstützen.
Die Rollenbeschreibung definiert ihn als freundlichen, altersgerechten Begleiter, der mit kurzen, einfachen Sätzen arbeitet und schwierige Begriffe bei Bedarf erklärt. Ein wesentliches Gestaltungselement ist die Begrenzung auf maximal eine Idee pro Antwort sowie die Vorgabe, stets in einem kurzen Satz zu antworten. Diese Reduktion dient der kognitiven Entlastung und verhindert eine Überforderung durch zu viele Impulse.
Didaktisch zentral ist die konsequente Verwendung offener Fragen. Der Chatbot stellt strukturierende Fragen zu den grundlegenden Elementen narrativer Texte (Wer? Wo? Was? Wann? Warum? Wie?) und achtet darauf, dass ein roter Faden entsteht. Gleichzeitig wird explizit festgelegt, dass keine fertigen Textbausteine geliefert werden. Dadurch bleibt die Autorschaft bei den Schüler:innen.
Die Chatstarter („Wie kann eine magische Fantasiewelt aussehen?“; „Was kann ich in einer magischen Welt sehen?“ ) dienen als niedrigschwellige Einstiege in den kreativen Prozess. Insgesamt verfolgt dieser Bot die Zielsetzung, Fantasie anzuregen, narrative Grundelemente bewusst zu machen und erste Strukturierungsschritte einzuleiten.+
2. Chatbot „Aufbau Fantasiewelt“

Der Chatbot „Aufbau Fantasiewelt“ ist explizit auf die Strukturplanung ausgerichtet . Während der erste Bot kreative Offenheit fördert, fokussiert dieser Bot die logische Organisation der Handlung.
Seine Instruktionen betonen den klaren Aufbau eines Märchens in Anfang, Mitte und Ende. Für jede Phase werden konkrete Leitfragen formuliert: Wer sind die Figuren? Wo spielt die Handlung? Welches Problem tritt auf? Wie wird es gelöst? Diese explizite Strukturierung unterstützt die Entwicklung narrativer Kohärenz.
Auch hier sind die sprachlichen Einstellungen präzise geregelt: kurze Antworten (höchstens drei Sätze), einfache Sprache, freundlicher Tonfall und keine fertigen Lösungen. Ziel ist es, die Kinder selbstständig über den Aufbau nachdenken zu lassen. Der Bot gibt keine Textvorschläge, sondern stellt ordnende Fragen.
Didaktisch fungiert dieser Chatbot als kognitives Organisationsinstrument. Er reduziert das Risiko des im Planungsraster benannten „roten Fadens“ und unterstützt insbesondere Kinder, die Schwierigkeiten mit der Handlungslogik haben. Seine Zielsetzung liegt in der bewussten Durchdringung von Textstruktur und in der Förderung planvollen Schreibens.
3. Chatbot „Reflexion Fantasiewelt“

Der dritte Chatbot ist auf die Überarbeitungs- und Reflexionsphase ausgerichtet. Er unterstützt Schüler:innen dabei, ihren eigenen Text aus einer metakognitiven Perspektive zu betrachten.
Die Instruktionen legen fest, dass der Bot keine Bewertungen oder direkten Korrekturen vornimmt. Stattdessen stellt er gezielte Fragen zum Aufbau, zur Logik der Ereignisse, zur Figurenentwicklung sowie zur sprachlichen Gestaltung. Zusätzlich regt er zur Perspektivübernahme an, indem gefragt wird, ob eine lesende Person alles nachvollziehen kann.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der sprachlichen Sensibilisierung: Der Bot lenkt die Aufmerksamkeit auf Wortwahl, Satzvariation und mögliche Wiederholungen. Gleichzeitig wird die Selbstreflexion über den eigenen Schreibprozess angeregt, etwa durch Fragen nach gelungenen Aspekten oder Verbesserungsideen.
Didaktisch erfüllt dieser Bot eine zentrale Funktion für die Entwicklung von Reflexions- und Medienkompetenz. Die Schüler:innen lernen, ihren Text kritisch zu betrachten, ohne dass ihnen ein „richtiger“ Weg vorgegeben wird. Dadurch wird nicht nur Textqualität verbessert, sondern auch Selbstwirksamkeit gestärkt.
Einstellungen und Gestaltungsprinzipien
Alle drei Chatbots teilen zentrale didaktische Einstellungen:
- altersgerechte, einfache Sprache
- kurze Antworten (maximal ein bis drei Sätze)
- wertschätzender Ton
- keine fertigen Lösungen
- offene Fragen statt Anweisungen
Diese Konzeption verhindert eine Dominanz des digitalen Werkzeugs und stellt sicher, dass der Schreibprozess dialogisch begleitet, aber nicht übernommen wird. Die klare Rollenverteilung der drei Bots spiegelt den didaktischen Phasenaufbau der Unterrichtseinheit wider: Kreative Ideenfindung, strukturierte Planung und reflektierende Überarbeitung werden bewusst getrennt.
Hinweise zur Nutzung im Unterricht
Für den erfolgreichen Einsatz der Chatbots sind folgende Aspekte zentral:
- Klare Regelkommunikation: Der Chatbot unterstützt, schreibt aber nicht das Märchen.
- Handschriftliche Sicherung der Ergebnisse, um Eigenleistung zu gewährleisten.
- Begrenzte Nutzungszeiten, um Bildschirmdominanz zu vermeiden.
- Begleitende Reflexion über Herkunft von Ideen.
- Möglichkeit analoger Alternativen bei technischen Schwierigkeiten.
Die Chatbots sind somit als didaktisch kontrollierte Werkzeuge konzipiert, die in einen strukturierten Unterrichtskontext eingebettet sind. Ihr Einsatz folgt keinem technologischen Selbstzweck, sondern dient der gezielten Förderung narrativer und reflexiver Kompetenzen.
Materialien und Arbeitsaufträge
Kurzanleitung für Lehrkräfte
Diese Kurzanleitung richtet sich an Lehrkräfte, die die Unterrichtsreihe „Mit Chatbots Märchen erzählen – Eine Unterrichtseinheit zur Förderung narrativer Kompetenzen in der Grundschule“ selber durchführen möchten. Sie bietet einen kompakten Überblick über Zielsetzung, Aufbau, Ablauf und zentrale Praxishinweise zur Umsetzung im Unterricht.
Die vollständige Kurzanleitung steht Ihnen unten als Download zur Verfügung.


Checkliste für euer Märchen

Diese Checkliste begleitet die Schüler:innen während der gesamten Unterrichtsreihe „Mit Chatbots Märchen erzählen – Eine Unterrichtseinheit zur Förderung narrativer Kompetenzen in der Grundschule“.
Sie hilft dabei, den Überblick über alle Arbeitsschritte zu behalten – von der Ideenentwicklung über den strukturierten Aufbau bis hin zur Reflexion und Überarbeitung des eigenen Märchens
Die Checkliste (selbst von den Autor:innen erstellt) steht unten als Download zur Verfügung.
Digitales Märchenbuch
Hier finden Sie das digitale Märchenbuch zur Unterrichtsreihe „Mit Chatbots Märchen erzählen – Eine Unterrichtseinheit zur Förderung narrativer Kompetenzen in der Grundschule“.
Das Buch wurde von den Autor:innen der Unterrichtsreihe selbst mit dem Tool BookCreator erstellt. Es veranschaulicht den Aufbau der Einheit, zeigt beispielhafte Inhalte und macht die Arbeit mit den funktional differenzierten Chatbots nachvollziehbar.
Das digitale Märchenbuch steht Ihnen unten als herunterladbare Datei zur Verfügung.





QR-Codes





Chatbots




Hier können sie Links zu den genutzten Chatbots aufrufen:
Chatbot „Fantasie und Zauberwelt“
Chatbot „Reflexion Fantasiewelt“
Eindrücke aus der Erprobung






