Allgemein

Krimiwerkstatt mit Chatbots

Autorinnen: Studentinnen der Europa-Universität Flensburg

Didaktischer Fokus der Einheit

Die Unterrichtseinheit „Krimigeschichten schreiben mit dem Chatbot“ fördert die narrativen Kompetenzen der Schüler:innen. Die Kinder schreiben anhand der Struktur der „Geschichtenmaus“ eine eigene Kinder-Krimigeschichte mit einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss. Sie benutzen die Chatbots als Unterstützung. Dadurch arbeiten sie mit einer KI zusammen und erproben den Umgang mit dieser im kreativen Schreibprozess. Auch schreiben oder sprechen die Schüler:innen ihre Krimis im Bookcreator ein. Sie verwenden eine für sie neue App, die den Schreibprozess ebenfalls strukturiert. Die Teilhabe für die Schüler:innen wird erhöht, da die Funktion der Spracheingabe bei der Verwendung der Bots und die Diktierfunktion im Bookcreator zur Sicherung der Geschichte verwendet werden kann. Für die Durchführung ist erforderlich, dass die Lernenden mit dem Umgang eines iPads vertraut sind.

Ablauf und Durchführung

Die erarbeiteten Strukturmerkmale und die „Geschichtenmaus“ werden gut sichtbar im Raum angebracht, damit die Kinder sich bei Bedarf erneut an der Struktur orientieren können. In der zweiten Phase werden die Schüler:innen auch auf die Bedeutung einer Planungsphase für den eigentlichen Schreibprozess hingewiesen. Die Kinder bekommen deshalb ein Arbeitsblatt, auf dem sie ihren Krimi vorstrukturieren und ihre Ideen sammeln können. Wahlweise können sie in Partner- oder Einzelarbeit ihren Schreibprozess vorstrukturieren. Im Sitzkreis können sie den anderen Schüler:innen anschließend ihre Planung vorstellen. 

Die Schüler*innen sitzen im Sitzkreis um die drei Plakate mit den Hauptbestandteilen des Textes: Einleitung, Hauptteil, Schluss. Die Schüler*innen haben eigene Zettel mit ihren Ideen auf die entsprechenden Plakate gelegt. Die Studentin ordnet den verschiedenen Phasen gemeinsam mit den Kindern die passenden Chatbots zu.

Die Lehrkraft stellt den Kindern nun die Chatbots vor. Es ist wichtig die Schüler:innen explizit auf die Chatbots hinzuweisen und ihnen zu erklären, wie sie diese beim Schreiben unterstützen können. Falls erforderlich, sollte den Lernenden kurz die Spracheingabe und die Verwendung der App Bookcreator gezeigt werden. Die dritte Phase (à 90 min) bildet den Kern des Schreibprozesses und benötigt viel Zeit. Die Lehrkraft zeigt den Kindern zu Beginn, welche Materialien sie in der „Hilfeecke“ bei den Flipcharts finden: Arbeitsblätter mit verschiedenen Satzanfängen sowie eine Checkliste zur Überarbeitung der Krimigeschichte und zusätzlich noch eine „Ideen-Schatztruhe“, in der verschiedene Bilder als Inspirationsmöglichkeit mit Titelvorschlägen sind. Bei Bedarf können sich die Lernenden hier eigenständig „bedienen“. Die Schüler:innen können ihre Geschichte analog oder digital im Bookcreator festhalten. Die digitale Version bietet die Möglichkeit des „Einsprechens“, wodurch Barrieren abgebaut werden können.

Die Schüler*innen sitzen im Sitzkreis während die Studentin mit dem digitalen Bookcreator herumgeht und die entsprechenden Funktionen erklärt.

Um die Schreibphase zu gliedern, wird sie zeitlich nach den Teilen einer Geschichte: Einleitung, Hauptteil und Schluss strukturiert. Sollte ein Kind schneller mit dem Schreiben des Krimis fertig sein, bekommt es die Möglichkeit diesen zu überarbeiten. Die Lernenden bekommen anschließend Zeit ihre Geschichte mit ihrer:m Sitznachbar:in zu tauschen, um sich gegenseitig anhand der Checkliste Feedback zu ihrem Krimi zu geben. Zwischen dem Ende der dritten Phase und der vierten Phase (à 45 min) empfiehlt sich eine Hofpause, damit der Raum für die anschließende Lesung vorbereitet werden kann. Um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, werden den Kindern Snacks angeboten. In der Mitte des Sitzkreises steht eine Laterne. Ein Stuhl steht mit etwas Abstand zu den Nachbar-Stühlen, was den Autor:innen-Stuhl darstellt. In der letzten Phase moderieren die Schüler:innen selbst die Lesung, indem sie sich für die Rolle des:er Moderators:in melden. Außerdem werden die beiden „Feedback-Beauftragten“ ausgewählt. Als Unterstützung haben die jeweiligen Kinder eine Rollenkarte, auf der sie nachlesen können, was ihre Aufgabe ist. Der:ie Moderator:in nimmt einen:e Autor:in dran. Dieses Kind setzt sich auf den entsprechenden Stuhl und liest den anderen Schüler:innen seinen:ihren Krimi vor. Anschließend klatschen alle und es wird dem:r Autor:in von den „Feedback-Beauftragten“ eine wertschätzende Rückmeldung gegeben. Die Lesung wird von der Lehrkraft mit einem großen Dankeschön für all die Krimigeschichten beendet. Als Nachbereitung empfiehlt es sich ein Krimibuch aus den Geschichten für die Schüler:innen als Andenken zu gestalten. Vielleicht kann das Buch sogar einen „Ehrenplatz“ in der klasseneigenen Bibliothek bekommen. 

Unsere Chatbots

Für die Unterrichtseinheit wurden drei Chatbots entwickelt, die unterschiedlichen Zielsetzungen verfolgen: Ida IdeenfindungPolly Personenbeschreibung und Stuart Struktur. Die Namen der Bots geben bereits einen Hinweis auf deren Funktion. Ida Ideenfindung unterstützt die Kinder bei der Suche nach einer Idee für ihren Krimi. Sie hat als Ziel Inspiration zu geben und „Schreib-Blockaden“ zu bewältigen. Polly Personenbeschreibung hilft in der Figurenentwicklung, um den Charakteren des Krimis mehr „Tiefe“ zu verleihen. Stuart Struktur fördert das kohärente Erzählen anhand des typischen Aufbaus einer Geschichte. Dabei geht er das Schema „Einleitung, Hauptteil und Schluss“ mit dem:r Schüler:in zusammen durch. Den Lernenden wurde freigestellt, ob sie die Chatbots verwenden. Die Variabilität des sprachlichen Outputs der verschiedenen Bots wurde auf Deutsch begrenzt. Bei Bedarf kann dies im Prompt abgeändert werden, um die Bots in einer sprachlich heterogene Lerngruppe zu nutzen. Der Chatbot sollte danach jedoch mehrfach getestet werden, um zu überprüfen, ob die Prompt-Anpassung unerwünschte „Nebeneffekte“ hat.  

Prompts für die Chatbots:

Das Bild zeigt den oberen Teil einer dreispaltigen Tabelle mit System-Prompts für drei pädagogische Chatbots, die Grundschulkinder beim Schreiben von gewaltfreien Kinderkrimis unterstützen.
In der ersten Spalte wird „Ida Ideenfindung“ definiert; ihr Prompt fordert eine motivierende Unterstützung bei der Fallkonzeption, einfache Sprache und maximal zwei Sätze oder Fragen pro Antwort.
Die zweite Spalte beschreibt „Polly Personenbeschreibung“, die Kindern hilft, vielschichtige Figuren zu entwickeln, indem sie chronologisch und schrittweise (z. B. nach Name, Alter und Eigenschaften) immer nur eine Frage auf einmal stellt.
Die dritte Spalte definiert „Stuart Struktur“, der den Aufbau des Krimis anhand der „Geschichten-Maus“ (Einleitung, Hauptteil, Schluss) begleitet, kurze Fragen stellt, keine eigenen Ideen vorgibt und brutale Inhalte strikt ausschließt.
Das Bild zeigt den unteren Teil derselben Tabelle und führt die genauen Interaktionsregeln sowie die Start-Nachrichten auf.
Für Ida Ideenfindung wird festgelegt, dass sie einfache Adjektive (wie „geheimnisvoll“) nutzen und mit zwei Fragen starten soll. Ihr Chat-Starter lautet: „Wie finde ich eine Idee für meinen Kinder-Krimi?“.
Für Polly Personenbeschreibung wird die genaue Abfragereihenfolge für Figuren (Aussehen, Talente, Familie, Ziele) festgelegt; zudem soll sie Name und Alter des Charakters direkt wiederholen. Ihr Chat-Starter lautet: „Hilf mir meine Hauptperson zu gestalten.“.
Für Stuart Struktur wird verlangt, Anglizismen zu vermeiden, keine fertigen Geschichten zu liefern und kindgerechte Krimi-Begriffe wie „Diebstahl“ oder „Geheimnis“ statt „Artefakt“ zu nutzen. Ihr Chat-Starter lautet: „Kannst du mir bitte helfen meine Geschichte zu entwickeln?“.

Materialien und Arbeitsaufträge

Die gesammelten Materialien und Arbeitsaufträge sind hier abrufbar:

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